Unbekannter Netztrafo; Militärzeugs ?
#1
Hallo;

ich habe hier einen vergossenen Netztrafo (Foto links) dessen entnehmbare Ströme und dessen Leistung nicht angegeben ist.
Typenbezeichnung TIP 2422 M . sieht sehr militärtechnisch aus. Die Gewindestangen sind metrisch.
Traumhaft wäre es, wenn mir evtl. jemanand sagen könnten wo der drin war und was der strommässig kann.
Für Hinweise wäre ich sehr dankbar.

[Bild: Trafos_300_2.JPG]

Gewicht: 7kg
Abmessungen: 140x108x150 mm
Primär 0-105-115-127-145-220 V
Sekundär
6,7 V
5,0 V
HV-Wicklung:
295-120-0-120-295 V
DC Widerstand 220V Wicklung 5,0 Ohm also 0,0227 Ohm/Volt
DC Widerstand der 590V Wicklung 100,0 Ohm also 0,1695 Ohm/Volt
Da die Spannungen proportional zu den Windungszahlen sind, lässt dieser Quotient
einen direkten Rückschluss auf das Verhältnis der verwendeten Drahtquerschnitte zu.

Bis jetzt ist alles rechnerisch sauber, jetzt kommt das "guesswork" und meine gewagte Theorie: 

Da er 7 kg wiegt müsste das Teil in etwa ein 600VA Trafo sein.
Daher Primärstrom 600VA/220V= 2,73 A
Somit zulässiger Strom auf der HV Wicklung rechnerisch (0,0227/0,1695)*2,73 = 0,3656 A .
D.h. verfügbare Leistung auf der HV Wicklung ist 0,3656A * 590V = 216VA.

Hat jemand evtl. ein besseres Rechenmodell...?
Liege ich mit 600VA richtig....?

Beste Grüsse
Jochen W.
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#2
Hallo Jochen,
1) Die Primärwicklung kann aus unterschiedlichen Drahtdurchmessern bestehen (nachmessen!), das versaut die Rechnung.
2) Im Gewicht ist auch der Blechkasten und die Vergußmasse drin, also nicht nur der reine Trafo. Wegen der Vergußmasse wird die Wärmeabfuhr nicht so sein wie offen, deswegen nicht voll belasten. Austesten z.B. mit 300VA rein resistive Belastung auf der Anodenwicklung, und dann nach einiger Zeit die Wicklungstemperatur über Wirkwiderstandsmessung (kalt/warm) der Anodenwicklung bestimmen; ich gehe davon aus dass Du weißt wie das geht. So würde ich es empfehlen, andere Meinungen folgen sicher noch.
Gruss, Eric

Avatar † 24.07.2018 17:15 RIP, mein Freund!
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#3
Servus,
Also mit 600VA liegt er bestimmt nicht richtig. Ob der vergossen ist, ist auch nicht garantiert, meistens schwimmen die direkt in PCB-Öl oder sind mit aufsaugbaren PCB haltigen Ölfliess oder einer Art Wachs eingebettet im Gehäuse, wenn es denn ein MIL-Trafo ist. Einziger Vorteil, sie konnten höhere Temperaturen ab und manchmal hatten sie ausser dem Kupferschirm noch ein versilbertes Gehäuse (innen!). Wurden dann oben Deckel-verlötet. In jedem Falle ist es schwierig abzuschätzen, was der wirklich kann, die Drahtstärken kann er nicht messen, das Teil hat ja glasisolierte Durchgangsstifte. In der Regel war bei diesen Trafos die 5V Wicklung für 3 A für die US Standardgleichrichter. Habe massenhaft diese Art Trafos hier in den Händen gehabt und hier alles auch sehr gut verkauft, da die bei den HiFi Freaks sehr gefragt waren. Muss aber ein für Europa gefertigtes Produkt sein, da er anstatt 2x115V (US Standard) hier eine duchgehende Primärwicklung bis 220V hat. Ausprobieren ist angesagt, belasten und dann sehen wie warm er wird. Wenn die aussen 50-60 Grad erreichen, ist das noch keine Grund zur Besorgnis.
Gruss, Volker

Und täglich das warme Wasser neu erfinden bitte!

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#4
Hallo,
vielen Dank für die Rückmeldungen;
dann werde ich mal testen und mit Glühbirnen belasten - Versuch macht kluch.
Beste Grüsse
Jochen
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#5
Hallo, Jochen,
ich würde die Leistung über die Kurzschlusspannung ermitteln. Son Trafo hat  ca 90% Wirkungsgrad. 
Alle Sek. Wicklungen kurzschliessen. Mit nem Stelltrafo  die prim. Spannung auf 10V einstellen, dann den Strom messen. Das ist dann der zu erwartende Betriebsstrom unter Vollast. 
Desweiteren kann man den Kurzschlusstrom in den Sek. Wicklungen messen. Damit kann man dann feststellen wie hoch die einzelnen Wicklunsteile Belastbar sind.

Wenn im Leerlauf der Trafo ca 5% mehr Spannung an den Sek. Wicklung zu Messen ist passt das.

73
Wolfgang
Spannung tut weh und Strom macht hässlich, schwarz und klein. Big Grin
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#6
Hallo,

da mich das Thema "unbekannte Trafos ausmessen" ebenfalls praktisch interessiert,

würde ich gerne wissen, wie du für die Kurzschlußmessung auf die einzustellende Prim.-Spannung (hier 10 V) kommst.
Faustformel, Erfahrungswert?

Gruß, Bernd
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#7
Hallo,

Zitat:würde ich gerne wissen, wie du für die Kurzschlußmessung auf die einzustellende Prim.-Spannung (hier 10 V) kommst.

Faustformel, Erfahrungswert?

Da ein Trafo dieser Grösse ca 10% Leistungsverluste  hat  sind   das ca 10V .  Die Leistungsverluste stehen im Quadrat der Spannungsverluste zueinander.
Wenn man den Trafo kurzschliesst  werden nur noch die Verluste  verbraucht. Bei Betrieb mit Nennstrom verbleiben dann 5% der Nennspannung an der Wicklung. das wären 10V , ganz genau 11,5V.

Die Werte hängen natürlich immer von der Qualität des Transformators ab. Bei kleinen Trafos  sind die Verluste immer Grösser als bei grösseren Trafos.

Die Trafotabellen von der Firma  G.Grau die man z.B im Netz findet geben die Eisen und Kupferverluste für den jeweiligen Kern an.  Für ein Trafogrösse  wie der um den es sich handelt sind 10% eine Grössenordnung mit der man schon mal grob kalkulieren kann.

Ich denke es geht den Fragesteller ja auch darum ob man den sinnvoll in einer Röhrenschaltung anwenden kann. Von den Maßen den er hier angegben hat könnte es ein  EI150N/b Trafo sein. In der Tabelle macht der 560W sek. Leistung und , Kupfer und Eisenverluste betragen 51,3W nach der ersten tabelle mit dem preiswertesten Blechqualität.
da auch der Spannungskorrekturwert für die Wicklung angegeben ist kann man diese auch direkt für die  Kurzschlusspannung einsetzen.

https://www.grau-stanzwerk.de/d-wAssets/...n-2017.pdf



73
Wolfgang
Spannung tut weh und Strom macht hässlich, schwarz und klein. Big Grin
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#8
Hallo Wolfgang,

danke für die ausführliche Erläuterung.

Da hatte ich eine Mehrfachblockade im Hirn:
Bei den Trafos, mit denen ich es zu tun habe, ist die Kurzschlußspannung mehr vom Streufluß als von den Cu-Verlusten abhängig und Inenn ist vorgegeben/bekannt, womit dann uk gemessen wird.
Hier ist es umgekehrt: die Verluste sind maßgeblich, die Kurzschlußspannung wird daraus vorgegeben und der Strom dann gemessen.
Routine kann also auch hinderlich sein ;-)

Gruß, Bernd
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#9
Servus,
Achtung, diese MIL Trafos füllen in etwa nur 70% des Gehäuses, der Trafokern ist also kleiner!
Gruss, Volker

Und täglich das warme Wasser neu erfinden bitte!

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#10
Hallo Wolfgang,

vielen Dank für den Tipp; ich habe die Messung so durchgeführt wie du vorgeschlagen hast.

Ergebnis:

U ac prim  10,88 V
I prim Leerlauf (nicht messbar; nahezu 0)
I prim , nur 6,7V Wicklung kurzgeschlossen 238 mA
I prim ; nur 5,0V Wicklung kurzgeschlossen 102 mA
I prim; nur 590 V Wicklung kurzgeschlossen 581 mA
I prim; alle Sek gleichzeitig kurzgeschlossen 715 mA

Kurzschlusstrom in 590V Wicklung : 205 mA
Kurzschlusstrom in 6,7 V Wicklung: 2,6 A
Kurzschlusstrom in 5,0 V Wicklung: 1,75 A

Leerlaufstrom prim an 230V : 0,9 mA (!)

Demnach wäre das nach dieser Theorie nur ein 160 VA Trafo; kann ich mir ehrlich gesagt bei dem Klotz wirklich nicht vorstellen. Dafür tuts ja ein M102a Trafo mit 3kg Lebendgewicht...
Was mir auffällt ist der extrem niedrige Leerlaufstrom, erheblich niedriger wie bei "normalen" Netztrafos dieser Grössenordnung.
Könnte mir vorstellen daß da u.U. ein Schnittbandkern drin ist. Evtl. kann ich das Ding röntgen lassen, wenn wir bei der Arbeit mal wieder Schweißnähte röntgen.

Beste Grüsse
Jochen W.
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#11
Hallo Jochen,

160VA ist plausibel. Man kann den "Trafogehalt" dieser Blechdose auch anhand der Dichte abschätzen, eine grobe Berechnung ergibt ca. 25%.

Grüsse,
Hartl
Da streiten sich die Leut' herum
oft um den Wert des Glücks;
der Eine heißt den Andern dumm,
am End' weiß keiner nix.
Hobellied von Ferdinand Raimund (aus "Der Verschwender")
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